Air Watt vs. Pascal: Saugkraft richtig vergleichen

Von der Grubenfund-Redaktion · Veröffentlicht

„28.000 Pa“, „310 AW“, „1.050 W“: Drei Zahlen, die alle nach Saugkraft klingen – und sich doch nicht vergleichen lassen. Dieser Ratgeber erklärt, was Pascal, Air Watt und Watt messen, warum man sie nicht ineinander umrechnen kann und wie du Saugleistungsangaben bei Saugrobotern und Akku-Staubsaugern trotzdem sinnvoll nutzt.

1. Pascal: nur der Unterdruck

Pascal (Pa) ist die SI-Einheit des Drucks: 1 Pa entspricht 1 Newton pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Die Normatmosphäre ist mit 101.325 Pa festgelegt. Gibt ein Hersteller „22.000 Pa Saugkraft“ an, meint er den größten Unterdruck, den das Gerät erzeugt – wie und wo gemessen wurde, legen die Hersteller in aller Regel nicht offen.

Genau das ist die Schwäche des Werts: Beim Saugen muss Luft strömen, denn sie trägt den Schmutz in den Behälter. Der Unterdruck allein sagt nichts darüber, wie viel Luft pro Sekunde durch Düse und Rohr gezogen wird – im Extremfall, bei ganz verschlossener Öffnung, ist der Unterdruck am höchsten, aber es strömt gar keine Luft mehr. Bei Saugrobotern ist Pa trotzdem die übliche Angabe – in unserem Vergleich reichen die Herstellerwerte von 6.000 bis 24.000 Pa.

2. Air Watt: Luftstrom und Unterdruck zusammen

Air Watt (AW) beschreibt die Luftleistung. Physikalisch ist das eine ganz normale Leistung in Watt: Unterdruck × Volumenstrom. Ein Rechenbeispiel zur Veranschaulichung: 20.000 Pa bei 10 Litern Luft pro Sekunde (0,01 m³/s) ergeben 200 W Luftleistung; derselbe Unterdruck bei halbem Luftstrom nur 100 W. Deshalb lässt sich ein Pa-Wert nicht in Air Watt umrechnen – es fehlt der Luftstrom.

Der Begriff stammt aus dem US-Prüfverfahren ASTM F558, das Saugdruck, Luftstrom, Luftleistung („air power“) und maximale Luftleistung von Staubsaugern bestimmt. Die Norm selbst betont, dass es sich um eine Idealmessung handelt, die nicht die tatsächliche Leistung beim Saugen von Teppich oder Boden wiedergibt. Geschrieben ist sie für Geräte mit Universal-Reihenschlussmotor; nach welchem Verfahren Akku-Staubsauger-Hersteller ihre AW-Werte ermitteln, geben sie meist nicht an. Für kabellose Trockensauger gibt es mit IEC 62885-4 eine eigene Messnorm, die unter anderem Staubaufnahme, Luftdaten und Laufzeit erfasst – ihre Anwendung ist aber freiwillig, und Datenblätter nennen sie selten.

Ein EU-Energielabel mit Angaben zur Staubaufnahme, das den Vergleich erleichtern würde, gibt es für diese Geräte nicht: Die Label-Verordnung (EU) Nr. 665/2013 galt nur für netzbetriebene Staubsauger und schloss akkubetriebene Staubsauger und Saugroboter ausdrücklich aus; 2018 hat das EU-Gericht sie zudem für nichtig erklärt.

Quellen: ASTM F558 (Anwendungsbereich), IEC 62885-4 (Vorschau, VDE Verlag), NIST SP 811 (Pascal), BIPM, 10. CGPM 1954 (Normatmosphäre), VO (EU) 665/2013, EuG T-544/13 RENV; abgerufen 10/2026.

3. Watt: Stromverbrauch, keine Saugleistung

Manche Hersteller werben mit Watt-Zahlen wie „bis zu 400 W Saugleistung“ oder „Motorleistung 1.050 W“. Eine Watt-Angabe ohne „Air“ beschreibt in aller Regel die Leistungsaufnahme des Motors, also wie viel Strom er verbraucht – nicht, wie viel davon als Luftleistung an der Düse ankommt. Ein Motor mit hoher Leistungsaufnahme kann effizient oder ineffizient sein. Solche Werte führen wir deshalb nicht als Saugleistung, sondern höchstens im Pro-Text mit Herstellerwortlaut.

4. Was Hersteller tatsächlich angeben

Die folgende Zählung wird automatisch aus allen Modellen in unseren Vergleichen berechnet (Stand 10/2026):

HerstellerangabeSaugroboterAkku-Staubsauger
nur Pascal190
nur Air Watt09
Pascal und Air Watt04
weder noch110

Dass sich die Einheiten nicht umrechnen lassen, zeigen die Modelle, für die der Hersteller beide Werte nennt: Das Verhältnis von Pascal zu Air Watt ist bei jedem Modell ein anderes.

ModellAir WattPascalPa je AW
Tineco Pure One S70 20021.000 105
Xiaomi Vacuum Cleaner G30 Max 28025.000 89
Dreame Z30 31028.000 90
Dreame R20 19022.000 116

Hersteller ohne AW- oder Pa-Angabe sind nicht automatisch schwächer – sie haben sich nur gegen eine vergleichbare Zahl entschieden. In unserem Datenblatt-Score für Akku-Staubsauger wird ein fehlender Saugleistungswert deshalb ausgelassen statt mit null bewertet, und AW und Pa werden nur jeweils untereinander verglichen. Bei Saugrobotern ist die Pa-Angabe so verbreitet, dass wir ohne sie keinen Score berechnen.

5. So vergleichst du richtig

Mehr zur Rolle der Saugkraft bei Teppich steht im Ratgeber Saugroboter für Teppich; die übrigen Kaufkriterien für kabellose Sauger in der Akku-Staubsauger-Kaufberatung.

Häufige Fragen

Wie viele Pascal entsprechen einem Air Watt?

Dafür gibt es keinen festen Umrechnungsfaktor. Air Watt ergeben sich aus Unterdruck mal Luftstrom; ohne den Luftstrom lässt sich aus einem Pa-Wert keine Luftleistung berechnen. Bei Modellen, für die Hersteller beide Werte nennen, ist das Verhältnis von Modell zu Modell verschieden.

Warum nennen Saugroboter Pascal und Akku-Staubsauger Air Watt?

Das ist eine Gewohnheit der Hersteller, keine Vorschrift. Eine Pflicht, eine bestimmte Saugleistungsangabe zu machen, haben wir nicht gefunden; das frühere EU-Energielabel für Staubsauger galt ohnehin nicht für Akku-Staubsauger und Saugroboter.

Ist ein Akku-Staubsauger mit mehr Watt stärker?

Nicht unbedingt. Watt ohne „Air“ beschreibt meist, wie viel Strom der Motor aufnimmt, nicht, wie viel Luftleistung an der Düse ankommt. Aussagekräftiger sind Air Watt – und noch mehr eine gute Bodendüse.

Wie viel Saugkraft brauche ich?

Für Hartböden reichen die Werte aktueller Geräte praktisch immer. Bei viel Teppich und Tierhaaren hilft mehr Leistung, aber nur, wenn Düse und Bürste sie auf den Boden bringen. Kleine Unterschiede im Datenblatt sind im Alltag selten spürbar.